Impuls
... zum Monatsspruch Juli 2026
Die Hitze der letzten Tage hat vieles langsamer gemacht. Wege wurden schwerer, Gedanken träger, Gespräche kürzer. Ich merke, wie sehr wir darauf angewiesen sind, dass etwas in Bewegung bleibt – Wasser, Luft, Worte, Beziehungen. Wenn die Hitze steht, wird alles schnell eng. Und manchmal spüre ich: Nicht nur die Luft ist ausgedörrt. Auch Menschen sind es.
Viele hungern heute nicht zuerst nach Brot. Sie hungern nach Anerkennung, nach Ruhe, nach einem guten Wort. Sie dursten nach Sinn, nach Orientierung, nach einem Miteinander, das trägt. Sie sind erschöpft, überhitzt, dünnhäutig - nicht körperlich, sondern innerlich.
Diese Ausgedörrtheit zeigt sich im Alltag: in Müdigkeit, in Vergesslichkeit, in Überforderung, in Konflikten, die eigentlich gar nicht groß sein müssten. In Gruppen, die musikalisch wachsen wollen, aber manchmal ins Stocken geraten. In Konzertprogrammen, die sorgfältig erarbeitet wurden, aber an manchen Stellen nachjustiert werden müssen. In Koordinationen, die Aufmerksamkeit brauchen, damit niemand überfordert wird. In Menschen, die sich bemühen und doch manchmal vergessen, was stützt.
Ich sehe diese Spannung auch im größeren Blick. In politischen Entwicklungen, die Menschen verunsichern, polarisieren, herausfordern. In Worten, die härter werden, und in Gruppen, die sich gegeneinander stellen. In Entscheidungen, die nicht immer den Schwächsten dienen.
Es ist dieselbe Spannung: zwischen dem, was gelingt, und dem, was ungerecht bleibt. zwischen dem, was wir gestalten können, und dem, was größer ist als wir.
Und mitten in dieser Spannung steht ein Bild, das mich nicht loslässt: Gleichheit bedeutet, jedem das Gleiche zu geben. Gerechtigkeit bedeutet, jedem das zu geben, was er braucht. Manchmal braucht jemand zwei Kisten, damit er über den Zaun schauen kann. Manchmal braucht jemand gar keine. Gerechtigkeit ist kein Gleichmachen. Gerechtigkeit ist ein Hinsehen.
Und genau dort, wo ich innerlich durstig werde, wo ich spüre, wie fein das Gleichgewicht ist, in dem wir miteinander leben und arbeiten, wo ich merke, wie schnell Wasser versickert, wenn niemand darauf achtet, genau dort kommt der Monatsspruch zu mir. Nicht als Motto. Nicht als Überschrift. Sondern als Antwort. Als Wasser.
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Amos 5,24
Dieser Vers ist zuerst eine Kritik. Amos spricht ihn in eine Gemeinschaft, die religiös aktiv ist, aber innerlich verdorrt. Menschen, die Gottesdienste feiern, Feste begehen, Musik machen – und doch aneinander vorbeileben. Sie tun vieles richtig, aber das Eigentliche fehlt: Gerechtigkeit, die Beziehungen heilt. Recht, das Menschen schützt. Wahrheit, die nicht nur gesprochen, sondern gelebt wird.
Aber dieser Vers ist auch eine Verheißung. Er sagt: Gerechtigkeit ist nicht statisch. Sie ist eine Bewegung. Ein Fließen. Ein Bach, der nicht versiegt, auch wenn er manchmal kaum sichtbar ist.
Vielleicht ist das die Einladung für diesen Monat:
> wahrzunehmen, wo Menschen innerlich ausgedörrt sind,
> behutsam zu sehen, wo etwas ins Stocken geraten ist,
> dankbar zu erkennen, wo etwas ins Fließen kommt,
> Verantwortung neu zu ordnen, ohne Schuld zu verteilen,
> Menschen zu erinnern, ohne sie bloßzustellen,
> und darauf zu vertrauen, dass Gott selbst derjenige ist, der den Bach speist.
Denn Gerechtigkeit beginnt oft im ganz Kleinen: in einem ehrlichen Wort, in einer achtsamen Entscheidung, in einem Moment, in dem wir einander wieder zuhören, in einem Bitte und einem Danke, in einer Pause, in der wir auftanken, damit das Ganze wieder klingen kann und vielleicht in einer Fürbitte.
Vielleicht beginnt dort der Bach zu fließen.
Diese Hoffnung, dass Gott uns Orte schenkt, an denen wir auftanken können — im Miteinander, im Glauben, im Alltag wünscht
Sebastian Weidenhagen
... zum Monatsspruch Juni 2026
Liebe Schwestern und Brüder,
Wenn man in diesen Tagen in die Welt schaut, sieht man vieles, das schwer auf uns liegt. Konflikte, Spannungen, Ungerechtigkeiten — manches laut, manches leise, manches weit weg und manches erschreckend nah. Und ich merke, wie ich manchmal davor sitze und ringe: Wie findet man Worte, die nicht beschönigen und nicht überfordern? Worte, die ehrlich sind — und trotzdem tragen? Worte, die Menschen nicht noch mehr Last auflegen, sondern ihnen Raum geben, das auszuhalten, was ohnehin schon da ist? Worte, die trösten, die unterstützen, die Halt geben.
Ich spüre, wie schwer es mir fällt, solche Worte zu finden. Vielleicht, weil die Welt im Moment so viel von uns fordert. Vielleicht, weil ich selbst nicht unverwundbar bin. Und vielleicht auch, weil Empathie und Mitgefühl in solchen Zeiten nicht einfach Gefühle sind, die uns zufliegen. Empathie, dieses feine Mitfühlen, das uns die Welt des anderen spüren lässt, kann uns manchmal überfordern.
Mitgefühl ist etwas, das wir uns neu zutrauen müssen. Gerade dann, wenn es uns schwerfällt.
Denn Mitgefühl beginnt nicht dort, wo alles leicht ist. Es beginnt dort, wo wir uns berühren lassen, obwohl wir selbst genug zu tragen haben. Dort, wo wir nicht wegschauen, obwohl Wegschauen einfacher wäre. Dort, wo wir uns entscheiden, Mensch zu bleiben, obwohl die Welt uns manchmal hart machen will. Mitgefühl ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung - eine Haltung. Und Entscheidungen haben Konsequenzen.
Mitgefühl bedeutet:
Ich öffne mich und mache mich verletzlich. Ich lasse die Not des anderen in meinen Raum. Ich entscheide mich gegen Gleichgültigkeit. Ich entscheide mich
gegen Zynismus. Ich entscheide mich
gegen die Versuchung, mich nur um mich selbst zu drehen.
Das ist anstrengend. Es kostet Kraft. Es ist manchmal sogar riskant. Aber es ist die einzige Kraft, die eine Gesellschaft
menschlich hält.
Diese Entscheidung wird gerade jetzt gebraucht, weil wir in einer Zeit leben, in der:
Härte belohnt wird, Empathie als Schwäche gilt, politische Sprache entmenschlicht, soziale Ungerechtigkeit wächst, Angst Menschen gegeneinander aufbringt, Polarisierung Beziehungen zerstört.
Mitgefühl ist in so einer Welt kein Luxus, sondern ein Gegenentwurf. Es ist Widerstand. Es ist ein geistlicher Akt. Es ist ein politisches Zeichen, ohne parteipolitisch zu sein. Es ist ein Schutzraum für Menschlichkeit.
Und genau deshalb fordert der Vers aus Hebräer 13 es ein:
„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten,
denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!“
Nicht, weil es leicht ist. Sondern weil es notwendig ist.
Der Vers stammt aus einer Zeit (ca. 64 - 96 n.Chr.) in denen politische Willkür und lokale Christenverfolgung und Misstrauen gegenüber Minderheiten und sozialen Spannungen an der Tagesordnung waren. Die Christen waren müde geworden im Glauben und verunsichert durch äußeren Druck, sozial ausgegrenzt, teilweise von Verfolgung betroffen.
Der Hebräerbrief spricht in diese Realität hinein. Er spricht zu Menschen, die unter Druck stehen, Verlust erlebt haben und nicht wissen, wie es weitergeht. Er ruft uns nicht in eine heile Welt, sondern in eine Welt, die sich verhärtet, polarisiert, ängstigt.
Wenn der Brief sagt: „Denkt an die Gefangenen … denkt an die Misshandelten …“ dann ist das kein abstrakter moralischer Appell. Es ist ein Wort in eine Welt voller Angst, Unsicherheit und Ungerechtigkeit. Die Menschen damals kannten Gefangenschaft aus eigener Erfahrung. Sie kannten Misshandlung durch Behörden oder Nachbarn. Sie kannten soziale Ausgrenzung und die Angst, dass alles kippen könnte. Der Vers ist also ein Ruf: Bleibt menschlich – gerade wenn die Welt unmenschlich wird.
Mein erster Gedanke zu dem Vers war: „Ich will mich bei all dem Ungerechten, das mir passiert, nicht auch noch mit dem Elend anderer beschäftigen.“ Das ist kein Mangel an Mitgefühl. Das ist Erschöpfung. Und Erschöpfung ist kein moralisches Versagen. Sie ist ein Signal.
Das ist der Moment, in dem viele Menschen innerlich leise werden. Weil sie merken: Ich kann nicht mehr geben, wenn ich selbst leer bin. Der Hebräerbrief weiß das. Er sagt nicht: „Reiß dich zusammen.“ Er sagt: „Auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib.“ Das heißt: Du bist verletzlich. Du bist begrenzt. Du bist nicht unerschöpflich. Du bist nicht aus Stahl. Das ist keine Schwäche. Das ist die Wahrheit über den Menschen.
Und dann taucht die Frage auf: „Wer hat eigentlich Empathie für mich?“ Und sie ist nicht egoistisch. Sie ist notwendig. Denn Mitgefühl ist keine Einbahnstraße.
Der Hebräerbrief antwortet darauf nicht mit einem theologischen Konzept, sondern mit einer Haltung: Gott sieht dich. Gott kennt deinen Leib, deine Müdigkeit, deine Grenzen. Gott erwartet nicht, dass du mehr trägst, als du tragen kannst. Und: Gemeinschaft ist nicht dazu da, dass du immer Stärke zeigst. Auch du darfst dich getragen wissen. Du musst nicht immer Empathie geben. Du darfst Empathie benötigen. Das ist kein Versagen. Das ist Menschlichkeit.
Nicht: „Ich muss mich mehr um andere kümmern.“ Sondern: „Ich darf anerkennen, dass ich selbst verletzlich bin – und dass Gott mich darin sieht.“
Mitgefühl beginnt nicht bei den anderen. Es beginnt bei dir. Nicht als Selbstmitleid, sondern als Wahrheit. Der Vers „Denkt an die Gefangenen…“ richtet sich nicht an starke Menschen. Er ist an erschöpfte Menschen gerichtet. Der Hebräerbrief wurde an Menschen geschrieben, die genau so waren: müde, überfordert, verunsichert, bedrängt, innerlich am Limit.
So wünsche ich dir, dass Gott dich sieht, gerade dort, wo du erschöpft bist. Dass er dich hält, wo du unsicher bist. Und dass er dein Herz bewahrt — damit Mitgefühl nicht Last wird, sondern Kraft. Für andere. Und für dich. Und ich wünsche dir den Frieden Gottes, der weiter reicht als jede Vernunft: dass er dein Herz ruhig macht und deine Gedanken zur Ruhe kommen lässt.
Sebastian Weidenhagen
... zum Monatsspruch Mai 2026
Liebe Schwestern und Brüder,
bis zum Start der Dresdner Flottenparade am 1. Mai liegen die Schiffe sicher am Kai befestigt. Die großen Dampfschiffe auf hoher See haben einen zusätzlichen Anker. Ein Anker ist ein stilles Wunder. Während das Schiff auf den Wellen schaukelt, die Segel im Wind flattern und die Möwen über dem Wasser kreisen, liegt er unscheinbar am Meeresgrund – und doch hält er das ganze Schiff an seinem Platz. Ohne ihn würde selbst das stabilste Boot vom Sturm davongetragen. Der Anker ist das unsichtbare Versprechen, dass das Schiff nicht abtreibt, selbst wenn alles andere in Bewegung oder gar vom großen Sturm bedroht ist.
So wie das Schiff seinen Anker braucht, so suchen auch wir im Alltag nach Halt. Wir finden ihn in den kleinen Dingen, die uns strukturieren und tragen: im ersten Kaffee am Morgen, der den Tag einläutet, im vertrauten Weg zur Arbeit, im wöchentlichen Telefonat mit einer lieben Person. Diese Rituale und Gewohnheiten sind wie die stabile Ankerkette, die uns mit dem Grund verbindet. Sie geben uns das Gefühl: Hier bin ich sicher. Hier weiß ich, wo ich stehe.
Doch nicht nur Strukturen und Rituale halten mich. Es sind auch die vertrauten Menschen, die wie Taue wirken, die mich festmachen. Die Person, die ich ohne zu zögern anrufen kann, die Gruppe, in der ich ich selbst sein darf, die Kollegin, die mich erinnert, wenn ich etwas vergesse. Diese Verbindungen sind wie die Leinen, die mich am Kai festhalten, selbst wenn der Wind sehr stark weht.
Und manchmal steckt der Halt sogar in einem einzigen Wort – in einem „Tschüss“ oder „Ade“, das wir fast achtlos sagen. Diese Worte sind mehr als nur Höflichkeit. Sie tragen eine stille Zusage in sich:
"Tschüss" – eine Abwandlung von „adjeu“ – „adjüüs“ bzw. als Abkürzung von "Zu Gott" – erinnert uns daran, dass wir in Gottes Hand geborgen sind, selbst wenn wir auseinandergehen.
"Ade" – aus dem Französischen "à Dieu" (zu Gott) – drückt aus: Wir vertrauen uns Gottes Schutz an, bis wir uns wiedersehen.
Diese kleinen Rituale sind wie Mini-Segenssprüche. Sie sagen:
"Du bist nicht allein. Es gibt eine Kraft, die uns verbindet – auch wenn wir jetzt getrennte Wege gehen."
Doch alle diese Anker – die Strukturen, die Menschen, die Zusagen in unseren Abschieden – haben eine Grenze. Sie können brechen, rosten oder in Vergessenheit geraten. Es gibt aber einen Anker, der sicher und fest ist. Der Monatsspruch für den Monat Mai erinnert uns daran:
"Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele." (Hebräerbrief 6, 19)
Diese Hoffnung ist kein vages Gefühl, sondern sie gründet in den Zusagen Gottes, die sich durch die ganze Geschichte ziehen, z. B.:
Abraham: „Ich will dich segnen – und du sollst ein Segen sein.“
Josua: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Und sie gilt uns heute genauso:
„Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir.“ (Jes 41,10)
„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ (Jes 43,1)
„Gottes Frieden bewahrt eure Herzen.“ (Phil 4,7)
„Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes.“ (Röm 8,38)
Dieser Anker der Seele ist die Gewissheit, dass wir in etwas Größerem verankert sind als in unseren eigenen Kräften. ER ist die Hoffnung, die uns hält, wenn die Stürme des Lebens toben – nicht weil wir stark sind, sondern weil ER es ist, der uns festhält.
Und diese Hoffnung verändert uns. Sie verändert unsere Perspektive. Wir sehen nicht mehr nur den Sturm, sondern den Grund, der die Ruhe hält. Sie verändert unser Handeln. Wir können mutiger leben, weil wir wissen, dass wir getragen sind. Und sie verändert unsere Beziehungen. Wer selbst Halt gefunden hat, kann anderen Halt geben. Hoffnung ist kein Rückzug, sondern eine Kraft, die weiterwirkt.
Und diese Hoffnung gründet in der ewigen Zusicherung: "Jesus Christus, derselbe gestern und heute und in Ewigkeit." (Hebräer 13,8)
ER ist der unveränderliche Ankerpunkt in einer Welt, die sich ständig wandelt. Der, der uns hält – gestern in den Stürmen der Vergangenheit, heute in den Herausforderungen des Alltags und in Ewigkeit als Gewissheit, die alles überdauert.
Ganz bewusst „Tschüss“ sagt
Sebastian Weidenhagen
... zum Monatsspruch April 2026
DER HERR IST AUFERSTANDEN!
ER ist wahrhaftig auferstanden!
HALLELUJA!
Es ist Ostern. Suchen. Nicht wissen, wo man etwas findet. Was genau sucht man zu Ostern? Bunte Vielfalt? Schöne Dinge?
Die Frauen machten sich in der Frühe auf den Weg, um Jesus zu salben. Schließlich hatten sie das in der Hektik der Geschehnisse vergessen. Ihre Trauer war frisch und tief. Der Frust über die Hilflosigkeit überschattete Vieles. Sie kamen zum Grab. Vollkommen unüberlegt, dass der Große Stein noch davor war. Der Weg zu Jesus war versperrt. Und dann kam alles anders. Maria sah, dass Stein weg war. Und der Weg ins Grab war frei. Aber nicht nur das. Nein. Auch Jesus war weg. In Ihrer Angst rannte Maria zu den Jüngern, zu Petrus und Johannes und sie berichtete über die aktuellen Erlebnisse. Die beiden Jünger liefen zum Grab, um nachzusehen. Johannes traute sich reinzuschauen. Und sah nur die Leinentücher, aber hineingehen, traute er sich nicht. Petrus ging in die Grabeshöhle. Auch er sah die Leinentücher, das eine Tuch vom Kopf war zusammengefaltet und lag auf der einen Seite. Dieses Sehen und Erleben des leeren Grabes erfüllte sie mit Glauben. Jesus zeigte sich Maria und gab ihr den Auftrag, den anderen Jüngern zu sagen, dass ER lebt.
Als die Jünger sich hinter der verschlossenen Tür versammelten, stand Jesus plötzlich mittendrin. „Friede sei mit euch!“, sagte ER und zeigte ihnen die Wunden. Thomas aber, war nicht dabei. Er hörte nur von allen, dass Jesus leben würde. Und er konnte es nicht glauben. Er wollte die Wunden selbst sehen und berühren. Eine Woche hat es gedauert, ehe Thomas erleben konnte, dass Jesus tatsächlich lebt.
Glaubst du? Oder zweifelst Du? Eine berechtigte Frage in unserer heutigen Zeit, die geprägt ist von Fake News. Es ist notwendig, dass wir alles überprüfen, bevor wir es einfach so hinnehmen. Zweifeln heißt überlegen, nachdenken, abwiegen von Pro und Contra. Glauben dagegen heißt nicht wissen. Glauben heißt aber auch: hinnehmen, annehmen, vertrauen. Ist Unser Glaube an Bedingungen geknüpft?
Die Jünger und die Frauen waren total verzweifelt. Was ist aus ihren Lebens-Fantasien geworden? Sie wollten das Leben mit Jesus leben. Sie wollten eine befreite Welt ohne Römer, ohne Unterdrückung. Eine Welt in Liebe. Und plötzlich: alles zusammengebrochen. Alles haben sie hinter sich gelassen um diesem Jesus nachzufolgen, von ihm zu lernen, von Gott zu hören. Und ER stirbt am Kreuz. Der Zweifel ist riesig. Aufgeben wollten sie und in ihr altes Leben zurück und resigniert alles vergessen.
Und plötzlich steht er wieder bei ihnen. „FRIEDE SEI MIT EUCH!“, sagt Jesus. Innerer Friede. Beruhigung. Glauben. Sie können IHM vertrauen. ER hat vorher gesagt: „ich baue den Tempel in 3 Tagen wieder auf“. Ihre Freude war groß.
Auch wir erleben Situationen voller Zweifel, voller Unsicherheit: Was wird? Wie wird es weitergehen? Bin ich auf dem richtigen Weg? Wer kann mir helfen? Wir leben in einer unsicheren Welt voller Hass und Egoismus. Aber wir können Selbstbewusstsein bekommen durch den Glauben, durch die Liebe, durch die Freiheit, durch das Kreuz. Hindurch das dunkle Tal zum Licht, zur Sonne. Gott geht mit uns. Gerade auch dann, wenn wir zweifeln.
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben! (Johannes 20, 29)
Sebastian Weidenhagen
... zum Monatsspruch Februar 2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal denke ich an mein vergangenes Leben. Wir hatten nicht viel Geld, meine Mutter war seit der Wende arbeitslos. Wir wohnten bei den Großeltern. Wünsche blieben offen. Urlaub gab es nur nach langem Sparen. Und doch durfte ich die Musikschule besuchen.
Es gab Zeiten, die Kraft kosteten: Das gewünschte Studium scheiterte, eine Ausbildung fand sich nicht, manche Entscheidung führte in Sackgassen. Zeiten der Suche, der Ungewissheit.
Heute schaue ich auf diese ungeraden Wege zurück – und bin dankbar. Dankbar für eine friedensreiche Zeit, für Menschen, die mich getragen haben. Und dafür, dass ich meine Gaben heute einbringen darf.
Der Monatsspruch für Februar lautet:
„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“
(5. Mose 26,11)
In unserer politischen Lage klingt dieser Vers fast wie eine Farce. Doch im Kontext wird klar: Israel steht kurz vor dem gelobten Land und soll die Erstlingsfrüchte bringen – einen Gottesdienst feiern. Es geht um Erinnern (Woher komme ich?), Geben (Was gebe ich zurück?), Teilen (Wer gehört dazu?) und Bekennen (Wem gehöre ich?).
Die Geschichte beginnt nicht mit Erfolg, sondern mit Not. Gott sieht, rettet, führt, gibt. Und dann heißt es: „Du sollst dich freuen – du, der Levit und der Fremde.“ Dank endet nicht im Gefühl. Dank wird Gemeinschaft.
Der Vers kann belasten: „Ich soll immer fröhlich sein?“ Nein. Freu dich nicht, weil alles leicht ist, sondern weil du nicht alles tragen musst. Freude ist Widerstand gegen das Gefühl: „Es reicht nie.“
Dankbarkeit ist eine Haltung, keine Pflicht. Sie wächst aus Erinnerung. Freude wird vollständig, wenn sie geteilt wird. Freu dich so, dass andere sich mitfreuen können. Ich will mich nicht an Hass gewöhnen. Nicht in Angst leben. Nicht meinen Wohlstand zur Mauer machen.
Ich will mich freuen – so, dass auch der fremde Mensch meine Geschichte hört und Anteil hat.
Ich mache Ihnen Mut, das Licht zu sehen. Nur Dunkelheit macht handlungsunfähig. Freude ist für mich Widerstand gegen die Nachrichtenflut, die uns den Mut nimmt. Erinnerung, Dankbarkeit, Teilen, gemeinsame Freude.
Welche Erstlingsfrucht können Sie geben? Vielleicht Zeit, ein Anruf, ein offenes Ohr, ein bewusstes Nein zur Überlastung, eine Fähigkeit, eine Einladung an jemanden, der fremd ist.
Vielleicht schreiben Sie auf, was in diesem Monat gut war, legen es in eine Schale oder vor das Kreuz oder an eine Pinnwand – und sprechen Vers 11.
Freude im Alltag ist oft klein: ein Moment Frieden, ein Gespräch, ein Sonnenstrahl, ein Klang, eine liebevolle Begegnung, ein Blick, ein Dank.
Und vielleicht teilen wir diese Freude mit Zugewanderten, neuen Kolleg*innen, Einsamen, Ausgegrenzten.
Mein eigenes Bekenntnis:
Ich komme nicht aus Sicherheit.
Ich komme aus Zeiten der Ungewissheit.
Und doch bin ich noch hier. Und ich bin nicht allein.
Darum will ich mich freuen – nicht als Maske, sondern als Widerstand gegen die Verrohung und als Antwort auf das Gute, das mich getragen hat.
„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)
Sebastian Weidenhagen
Willkommen im Jahr 2026!
Zeit für Verbesserung. Zeit für Veränderung. Am Ende des Jahres wird oft Rückschau gehalten auf das, was war. Rückschau auf das, was verbesserungswürdig ist, steht oft eher im Mittelpunkt als der Blick auf das, was gut war. Diesen Rückblick könnte man wochenweise machen. Einen Zettel nehmen und das Positive aufschreiben und in ein Glas packen. Am Ende des Jahres das Glas öffnen und alles noch mal lesen. 53 schöne Erinnerungen. Oder ein Heft nehmen und Bilder gestalten, Gedanken aufschreiben und am Ende des Jahres schauen, was Farbenfrohes draus geworden ist.
Jeder Tag ist eine neue Chance. Eine Chance zur Verbesserung. Wenn etwas schmerzt, ist die Hoffnung am Abend groß, dass am nächsten Tag Besserung eintritt und man so wieder mehr Lebensqualität erhält. Warum diese Hoffnung nicht auch auf alle anderen Dinge legen?
Zeit zur Veränderung. Die Gedanken und Träume schweifen lassen, mitten in einer ausweglos scheinenden Situation. Niemand weiß, was in diesem Jahr auf uns zu kommt. Wie sich die Welt weiter verändert: politisch und klimatisch, in aller Habgier und allem Hass. Hoffnung auf ein besseres Miteinander im Kleinen: Liebes-Revolution von unten, aus der Bevölkerung heraus. In der Nachbarschaft den Blick zu einander wenden. Leid und Tränen abwischen. Freude schenken.
Johannes schrieb ähnliches in seiner Offenbarung, „die ein mutiges und strahlendes Bekenntnis zu Jesus Christus, aber auch ein warnendes und zugleich seelsorgliches Schreiben an die verunsicherten Gemeinden in Kleinasien war“. (Renate Karnstein - https://www.jahreslosung.eu/jahreslosung-2026.php)
Das Buch beginnt mit GNADE und FRIEDE und einer Menge Segen. Johannes war verbannt und berichtet von einem König auf dem Thron, der alles verändern will, was ist. Das kann ein schleichender Prozess sein, es kann aber auch ein radikaler Schnitt sein. Und so begleitet uns die Jahreslosung auf einem ungewissen und wackeligen Weg. Aber wir wissen: Gott ist da! Gott ist nah! ER schenkt Gnade und Frieden und ER segnet, damit alles gut wird. Können wir uns getrost zurück legen und abgeben? Gott sorgt für die Veränderungen. Lassen wir uns führen, an die Hand nehmen.
Und so wünsche ich Dir und Euch, dass es ein Jahr voller schöner Begegnungen mit wunderbaren Erlebnissen wird. Ein Jahr der positiven Veränderungen. Ein Jahr voller Zuversicht und Hoffnung. Ein segensreiches Jahr für wunderbare Erinnerungen.
GOTT SPRICHT: „Siehe, Ich mache alles neu!“
(Offb. 21,5)
Sebastian Weidenhagen




