Impuls
Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal denke ich an mein vergangenes Leben. Wir hatten nicht viel Geld, meine Mutter war seit der Wende arbeitslos. Wir wohnten bei den Großeltern. Wünsche blieben offen. Urlaub gab es nur nach langem Sparen. Und doch durfte ich die Musikschule besuchen.
Es gab Zeiten, die Kraft kosteten: Das gewünschte Studium scheiterte, eine Ausbildung fand sich nicht, manche Entscheidung führte in Sackgassen. Zeiten der Suche, der Ungewissheit.
Heute schaue ich auf diese ungeraden Wege zurück – und bin dankbar. Dankbar für eine friedensreiche Zeit, für Menschen, die mich getragen haben. Und dafür, dass ich meine Gaben heute einbringen darf.
Der Monatsspruch für Februar lautet:
„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“
(5. Mose 26,11)
In unserer politischen Lage klingt dieser Vers fast wie eine Farce. Doch im Kontext wird klar: Israel steht kurz vor dem gelobten Land und soll die Erstlingsfrüchte bringen – einen Gottesdienst feiern. Es geht um Erinnern (Woher komme ich?), Geben (Was gebe ich zurück?), Teilen (Wer gehört dazu?) und Bekennen (Wem gehöre ich?).
Die Geschichte beginnt nicht mit Erfolg, sondern mit Not. Gott sieht, rettet, führt, gibt. Und dann heißt es: „Du sollst dich freuen – du, der Levit und der Fremde.“ Dank endet nicht im Gefühl. Dank wird Gemeinschaft.
Der Vers kann belasten: „Ich soll immer fröhlich sein?“ Nein. Freu dich nicht, weil alles leicht ist, sondern weil du nicht alles tragen musst. Freude ist Widerstand gegen das Gefühl: „Es reicht nie.“
Dankbarkeit ist eine Haltung, keine Pflicht. Sie wächst aus Erinnerung. Freude wird vollständig, wenn sie geteilt wird. Freu dich so, dass andere sich mitfreuen können. Ich will mich nicht an Hass gewöhnen. Nicht in Angst leben. Nicht meinen Wohlstand zur Mauer machen.
Ich will mich freuen – so, dass auch der fremde Mensch meine Geschichte hört und Anteil hat.
Ich mache Ihnen Mut, das Licht zu sehen. Nur Dunkelheit macht handlungsunfähig. Freude ist für mich Widerstand gegen die Nachrichtenflut, die uns den Mut nimmt. Erinnerung, Dankbarkeit, Teilen, gemeinsame Freude.
Welche Erstlingsfrucht können Sie geben? Vielleicht Zeit, ein Anruf, ein offenes Ohr, ein bewusstes Nein zur Überlastung, eine Fähigkeit, eine Einladung an jemanden, der fremd ist.
Vielleicht schreiben Sie auf, was in diesem Monat gut war, legen es in eine Schale oder vor das Kreuz oder an eine Pinnwand – und sprechen Vers 11.
Freude im Alltag ist oft klein: ein Moment Frieden, ein Gespräch, ein Sonnenstrahl, ein Klang, eine liebevolle Begegnung, ein Blick, ein Dank.
Und vielleicht teilen wir diese Freude mit Zugewanderten, neuen Kolleg*innen, Einsamen, Ausgegrenzten.
Mein eigenes Bekenntnis:
Ich komme nicht aus Sicherheit.
Ich komme aus Zeiten der Ungewissheit.
Und doch bin ich noch hier. Und ich bin nicht allein.
Darum will ich mich freuen – nicht als Maske, sondern als Widerstand gegen die Verrohung und als Antwort auf das Gute, das mich getragen hat.
„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Mose 26,11)
Sebastian Weidenhagen
Willkommen im Jahr 2026!
Zeit für Verbesserung. Zeit für Veränderung. Am Ende des Jahres wird oft Rückschau gehalten auf das, was war. Rückschau auf das, was verbesserungswürdig ist, steht oft eher im Mittelpunkt als der Blick auf das, was gut war. Diesen Rückblick könnte man wochenweise machen. Einen Zettel nehmen und das Positive aufschreiben und in ein Glas packen. Am Ende des Jahres das Glas öffnen und alles noch mal lesen. 53 schöne Erinnerungen. Oder ein Heft nehmen und Bilder gestalten, Gedanken aufschreiben und am Ende des Jahres schauen, was Farbenfrohes draus geworden ist.
Jeder Tag ist eine neue Chance. Eine Chance zur Verbesserung. Wenn etwas schmerzt, ist die Hoffnung am Abend groß, dass am nächsten Tag Besserung eintritt und man so wieder mehr Lebensqualität erhält. Warum diese Hoffnung nicht auch auf alle anderen Dinge legen?
Zeit zur Veränderung. Die Gedanken und Träume schweifen lassen, mitten in einer ausweglos scheinenden Situation. Niemand weiß, was in diesem Jahr auf uns zu kommt. Wie sich die Welt weiter verändert: politisch und klimatisch, in aller Habgier und allem Hass. Hoffnung auf ein besseres Miteinander im Kleinen: Liebes-Revolution von unten, aus der Bevölkerung heraus. In der Nachbarschaft den Blick zu einander wenden. Leid und Tränen abwischen. Freude schenken.
Johannes schrieb ähnliches in seiner Offenbarung, „die ein mutiges und strahlendes Bekenntnis zu Jesus Christus, aber auch ein warnendes und zugleich seelsorgliches Schreiben an die verunsicherten Gemeinden in Kleinasien war“. (Renate Karnstein - https://www.jahreslosung.eu/jahreslosung-2026.php)
Das Buch beginnt mit GNADE und FRIEDE und einer Menge Segen. Johannes war verbannt und berichtet von einem König auf dem Thron, der alles verändern will, was ist. Das kann ein schleichender Prozess sein, es kann aber auch ein radikaler Schnitt sein. Und so begleitet uns die Jahreslosung auf einem ungewissen und wackeligen Weg. Aber wir wissen: Gott ist da! Gott ist nah! ER schenkt Gnade und Frieden und ER segnet, damit alles gut wird. Können wir uns getrost zurück legen und abgeben? Gott sorgt für die Veränderungen. Lassen wir uns führen, an die Hand nehmen.
Und so wünsche ich Dir und Euch, dass es ein Jahr voller schöner Begegnungen mit wunderbaren Erlebnissen wird. Ein Jahr der positiven Veränderungen. Ein Jahr voller Zuversicht und Hoffnung. Ein segensreiches Jahr für wunderbare Erinnerungen.
GOTT SPRICHT: „Siehe, Ich mache alles neu!“
(Offb. 21,5)
Sebastian Weidenhagen




