Predigten zum Nachlesen
Aus dem Gottesdienst am Sonntag Trinitatis am 31. Mai 2026
(Gen. 1,26-2,3; Joh. 14,23.26; Num. 4,24-27)
Liebe Gemeinde in diesem Gottesdienst!
Staunen können ist etwas Schönes.
Ich meine nicht das Staunen, bei dem herauskommt: Du meine Güte, das hätte ich nicht gedacht, wenn etwas zu Tage tritt, was eher traurig macht.
Ich meine das Staunen, das mit einer Begeisterung und Freude verbunden ist:
Ach, das ist ja schön!
Das kann geniale Musik sein, oder nach einem Aufstieg der weite Blick in die Berge. Was für eine Sicht! Wunderbar das Panorama! Oder ein Sonnenuntergang am Meer! Das Staunen über die Schönheit eines Regenbogens.
Staunen ist etwas Schönes.
Schön können Blumen sein; schon eine einzige Blume, vielleicht, wenn die Königin der Nacht das erste Mal blüht.
Für Manchen kann es auch ein Auto sein, wenn du einen ganz edlen, besonderen Wagen zu Gesicht bekommst.
Worüber staunst Du?
Es gibt auch das Staunen darüber, dass etwas gelungen ist, endlich geschafft.
Und es gibt das Staunen, wie manches im Leben gekommen ist, wie es sich gefügt hat,
Wir können staunen über Zusammenhänge, wenn uns etwas klar wird, wie etwas funktioniert.
Wisst Ihr, womit die Bibel beginnt?
Nicht nur mit der Schöpfung, sondern mit dem Staunen über die Schöpfung.
Mit einem Staunen über einen genialen Anfang:
Wir leben in einer Welt, die von Anfang an von Gott kommt. Er hat alles in geordneter Weise hervorgebracht, das Licht und das Leben, uns Menschen in der Ergänzung beider Geschlechter, als Mann und Frau.
Er hat uns die Erde anvertraut, diesen besonderen Planeten, Raum und Zeit; dazugehört auch der gute gesunde Rhythmus einer Woche, der mit einem Ruhetag verbunden ist.
Gott hat uns Menschen auf der Erde als seine Statthalter eingesetzt; er hat uns Menschen zu seinen Partnern gemacht, zu seinen Priestern, die er eingesetzt hat auf der Erde als seinem besonderen Heiligtum im Kosmos, dass wir ihn loben und ihm danken und seinen Segen weitertragen.
Am Ende staunt Gott sogar selbst: Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.
Das lässt auch auf Gott zurückschließen:
ER ist sehr gut. ER hat uns gemacht.
Es heißt in der Bibel: Gott sprach, lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.
Wir sind nicht Gott, aber in eine Beziehung zu ihm gestellt, wir sind sein Gegenüber, jeder von uns.
Er sieht uns an. Er sieht Dich. Du bist ein angesehener Mensch.
Und es ist sehr gut für uns, wenn wir auf ihn sehen.
Aber wer ist ER denn?
Ist es nur ein stilistisches Mittel der Sprache, wenn es am Anfang der Bibel heißt?: Lasst uns Menschen machen!
Heißt das nicht: Lasst uns miteinander Menschen machen!?
Ist Gott ein Wir, eine Gemeinschaft?
Die Bibel im Ganzen lässt keine Zweifel: Gott ist nur Einer, aber aus ihm und mit ihm ist sein Sohn, und von ihm kommt sein Geist.
Im Johannesevangelium erklärt Jesus: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
Und Jesus erklärt in diesem Zusammenhang auch dies: Der Beistand, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Das ist unser Gott, der die Welt geschaffen hat, dem jeder von uns sein Leben verdankt.
Wozu sind wir auf dieser Erde?
Nicht nur, um zu arbeiten, so wunderbar es ist, kreativ zu sein, etwas zu schaffen, einen Beruf zu erlernen, einer Arbeit nachzugehen.
Wir sind auch dazu da, um uns auszuruhen, nicht nur von der Arbeit, sondern auch zur Ruhe zu kommen, zur Besinnung zu finden.
Gott für seine Schöpfung zu danken, sie zu bestaunen, sie zu bewahren, seine Ordnung wahrzunehmen.
Und zur guten Ordnung Gottes gehört dann eben auch der siebente Tag, ein Tag der Ruhe, der Besinnung, der Ausrichtung auf Gott.
Wir sollten nicht diesen besonderen Tag unterschätzen, ob es der Sabbat ist oder der Sonntag.
Es gibt nicht nur alle Tage, den Alltag, es gibt den besonderen Tag, den Tag des HERRN.
Er dient dazu, dass wir uns Gottes bewusst(er) werden, unserer göttlichen Herkunft, unserer Berufung zum Leben, zum Staunen und Danken vor Gottes Angesicht.
Daher gehört zu diesem Tag der Gottesdienst. Zum Gottesdienst gehört die Gemeinschaft, gehört der Lobpreis, der Dank und der Segen. (Der Segen der Konfirmation ist ein besonderer, ein persönlicher.)
Aber am Ende eines jeden Gottesdienstes steht immer der Segen für alle.
Dieser Segen hat ein besonderes Gewicht.
Er stellt unser Leben immer wieder in die Begegnung mit Gott, unter seine Augen, unter sein Wort, seinen Zuspruch. Gott wendet sich nicht ab. Er wendet sich uns zu. Er vergibt uns unsere Schuld.
Er übersieht uns nicht.
Wer ist Gott?
Wir werden es nie erfassen.
Wir dürfen aber darin gewiss sein: Er ist ein segnender Gott.
Von Gott ist ein dreifacher Segen überliefert.
Der Gott Israels, der Gott Moses, der Gott der von ihm eingesetzten Priester, der Gott und Vater Jesu und seiner Jünger, dieser Gott bekräftigt seine Zuwendung dreifach:
Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Und dann heißt es in der Bibel an der Stelle: So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
Durch unsere Zugehörigkeit zu Jesus lassen wir uns mit dem Volk Gottes in gleicher Weise segnen und beschenken.
Gott sieht uns, er übersieht uns nicht und segnet uns. Deshalb kommen wir zusammen als Gemeinde. Wir dürfen den Segen Gottes Woche für Woche entgegennehmen.
Gottesdienst ist Segenszeit, auch heute!
Der Name des Sonntags heute, Trinitatis: (Dreieinigkeit) ist mehr als Theorie und Theologie. Er lädt zur Besinnung darüber ein, wer Gott ist; nicht zuerst zum Diskutieren, sondern zum Danken und Staunen:
Niemand ist wie ER, keiner liebt uns so wie ER.
ER ist sehr gut. Und es ist für uns sehr gut, ihn zu lieben von ganzem Herzen und mit aller unserer Kraft.
Bist Du dabei?
Amen.
Aus dem Gottesdienst an Kantate am 03. Mai 2026
in Höckendorf und Königsbrück
Liebe Gemeinde in diesem Gottesdienst!
Kantate! Das ist der Name dieses Sonntags.
Singt! Mit dem Singen ist das so eine Sache.
Manche mögen es. Manche singen in einem Chor mit.
Manche sagen aber auch, dass sie nicht singen könnten.
Immer weniger wird gesungen in den Familien. Aber mancher singt mit aus voller Kehle im Fußballstadion. Da singt man ja auch im Chor, im Chor vieler Begeisterter.
Wenn schon nicht alle singen, Musik geht immer. Jeder hat seine Musik, seinen Geschmack. Wir haben jederzeit Zugang zu der Musik, die wir hören wollen.
Welche Musik machen wir selbst? Welche Lieder singen wir mit?
Das Singen gehört zum Glauben. Es kommt schon in der Bibel vor. Etwa 400mal nimmt die Bibel auf das Singen Bezug.
Was ist der Inhalt unserer Lieder?
Manche Lieder werden zum Ohrwurm, manche gehen auch zu Herzen.
Und Lieder verbinden.
Es ist genial, dass wir Menschen singen können.
Mancher, der nicht mehr (krankheitsbedingt) sprechen kann, kann aber mitsingen.
Es gibt Lieder, die man auswendig kann, zumindest die erste Strophe.
Gestern habe ich mit einem altgewordenen Ehepaar eine Andacht gehalten; wir haben am Wohnzimmertisch das Hl. Abendmahl gefeiert.
Und wir haben gesungen, ohne dass wir das Gesangbuch brauchten: Jesu, geh voran auf der Lebensbahn und Großer Gott wir loben dich.
Gott loben - dass wir ihn besingen, ja, dass wir ihn lieben,das ist nicht Geschmackssache, das ist sogar ein Auftrag, der zu unserem Menschsein gehört. Deshalb ist sooft in der Bibel vom Singen die Rede, vom Gotteslob. Wer Gott lobt, natürlich nicht erzwungenermaßen, sondern freiwillig, der trägt dazu bei, dass Gott nicht vergessen wird, dass Gott die Ehre gegeben wird, weil das Leben von ihm kommt, die Schöpfung, z.B. auch die Frühlingsfarben und -düfte.
Wir geben Gott die Ehre, weil von ihm die Rettung aus aller Sinnlosigkeit kommt und die Rettung zum Ewigen Leben. Hoffnung und Freude bekommen einen echten Grund und Nährboden, weil Jesus in unsere Welt gekommen ist.
Wer mag, kann jetzt mit einstimmen in das Lied: Großer Gott, wir loben dich, das wir auch nächste Woche zur Konfirmation singen werden. = Gesang =
Ich möchte jetzt in der Predigt noch 4 Schritte aufzeigen, die unser Glaube immer wieder gehen muss, wenn in unserem Leben die Beziehung zu Gott wachsen soll und nicht stagnieren, wenn von unserem Leben Segen ausgehen soll.
Bei diesen vier Schritten kann auch das Singen zum Tragen kommen.
Der erste Schritt ist das Hören.
Der Glaube kommt aus dem Hören sagt der Apostel Paulus in der Bibel.
Achte darauf, dass jeden Tag etwas an Dein Ohr kommt, das Dir etwas von Gott zeigt. Das können auch Lieder sein, am besten aber etwas aus der Bibel, weil durch sie Gott zu Wort kommt.
Es gibt die guten Sendungen des ERF, des Evangeliumsrundfunks. Ich staune oft über die Qualität der Sendungen, der Beiträge, die so lebensdienlich sind und glaubensfördernd. Unser Gemeinde-ERF-Radio kann gern ausgeliehen werden. Oder es gibt die wertvollen Beiträge von bibletunes. Thomas Schwager hat mich darauf aufmerksam gemacht.
Der zweite Schritt, den wir für unseren Glauben gehen dürfen, ist die Hinwendung an Gott, das Vertrauen ihm gegenüber.
Hören ist die eine Seite - das vertrauensvolle Ansprechen Gottes die andere.
Wie viele Liedtexte sind entstanden, die helfen können, sich Gott zuzuwenden!
Wir brauchen den Mut, uns auf Gott zu verlassen, zu beten. Schüttet euer Herz vor ihm aus. Gott ist unsre Zuversicht. So sagt es die Bibel in Psalm 62.
Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird’s wohlmachen. So sagt es Psalm 37,5.
Sich Gott anbefehlen. Einander daran erinnern. Füreinander zu beten, dass der Glauben an Gott unter uns Wurzeln bekommt. Es bestand und besteht weiter die Möglichkeit, für Konfirmanden namentlich zu beten. (Hochzeigen der Herzbox)
Wir singen (in Königsbrück) nach der Predigt:
Ich will dir folgen, will bei dir bleiben, und will dir treu sein, gib du mir Kraft. (anstimmen aus EG 210 Kehrvers)
Der dritte Schritt im Glauben ist ein besonderer und tiefgreifender.
Er ist mit dem Begriff Hingabe zu beschreiben und auch zu besingen.
Ich bete nicht nur dann, wenn ich ein Anliegen habe, z. B. vor einer Prüfung oder einer OP.
Ich gebe mein ganzes Leben, meine Existenz, in Gottes Hand.
Ich übergebe mein Leben komplett mit allem an Gott, mit allen Seiten, auch allen Schattenseiten.
Oder in einem anderen Bild ausgedrückt: Ich öffne Jesus Christus die Tür zu meinem Leben, nicht nur einen Spalt, nicht nur zur Konfirmation, sondern ich bitte Jesus als meinen Herrn ganz in mein Leben zu kommen, in jedes Zimmer, in jede Ecke.
Vor ihm brauche ich nichts zu verbergen.
Ich gebe mich ihm ganz. Und das kann mit einer großen Freude verbunden sein, mit einer Erleichterung.
Ich bin in den besten Händen.
Es gibt auch eine ganze Menge Gebete der Hingabe, auch Lieder.
Will ich diesen Schritt der kompletten Hingabe an Gott gehen?
Der vierte Schritt, der meinen Glauben an Gott zum Ausdruck bringt, ist das Tun. Es ist so: Was ich glaube, das tue ich.
Es wird mein Denken und Handeln bestimmen. Mein Glaube wird nach außen hin sichtbar. Er trägt Früchte.
Auch jedes Lied, das ich mitsinge, im Gottesdienst, ist ein Zeichen der Äußerung meines Glaubens. Unser Glaube hat eine Außenseite. ,
Spüren Menschen in meiner Nähe, dass ich in meinem Leben mit Gott verbunden bin?
Unser Glaube braucht Türen und Fenster, Ausstrahlung und das Bekenntnis. Unser Glaube hat Hände, die mit zupacken, die etwas in Angriff nehmen, aber niemanden angreifen.
Die Empfehlung dieses 4. Sonntags nach Ostern, Kantate, lautet: Sing mit! Z.B. auch im Chor, wenn im Herbst unser neuer Kantor beginnt. - Spiel dein Instrument! Nicht nur für Dich, auch für andere zur Freude, und gern auch Gott zur Ehre, Gott zum Lob, sei es das Waldhorn, die Gitarre, das Klavier, die Orgel oder die Veehharfe.
Soli Deo Gloria! Amen.
Aus dem Gottesdienst mit Tagesgebet
am ersten Sonntag im neuen Jahr und zweiten Sonntag nach Weihnachten
am 4. Januar 2026 in Höckendorf und Röhrsdorf b. Königsbrück
Gebet:
Jesus Christus, Mensch von Fleisch und Blut - und Gott.
Licht von ewigem Licht. Friede von ewigem Frieden. Liebe von ewiger Liebe, die sich an uns verschenkt: Lass uns auf dich sehen, damit wir wahres Leben finden, eins mit dir, eins mit den Menschen, eins mit uns selbst.
Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und Leben schenkst in Ewigkeit. Amen.
(Evang. Gottesdienstbuch, 2000, S. 269)
Liebe Gemeinde in diesem Gottesdienst!
Liebe Schwestern und Brüder!
Wieder liegt vor uns ein Jahr, 365 Tage.
Einen beträchtlichen Teil davon bringen wir zu mit Schlaf. Daran wird deutlich: Wir können auch nicht nur immer aktiv sein. Es braucht auch Ruhe. Besinnung.
Was steckt nicht alles drin in einem Jahr!
Mir geht es so, dass ich das vergangene Jahr als besonders ausgefüllt erlebt habe. Ich habe versucht, mir das auf einem Zettel mal vor Augen zu führen. Es wurden immer mehr Notizen auf der Vorder- und Rückseite dieses A5-Blattes.
Vom neuen Jahr haben wir bis jetzt erst drei ganze Tage erlebt. Das ist eine sehr überschaubare Zeit. Was haben wir in diesen drei Tagen schon erlebt?
Wie viel Zeit zur Besinnung hatten wir? Haben wir Zeit zum Gebet gefunden?
In der Silvesterpredigt habe ich von der Möglichkeit erzählt, jeden Tag einen Psalm zu lesen und zu beten.
Heute wäre es Psalm 4.
Ich habe schon mal in ihn hineingelesen:
Ein Psalm Davids ... (2) Wenn ich rufe, gib mir Antwort, Gott meiner Gerechtigkeit! Du hast mir weiten Raum geschaffen in meiner Bedrängnis. Sei mir gnädig und hör auf mein Flehen! ... (9) In Frieden leg ich mich nieder und schlafe; denn du allein, HERR, lässt mich sorglos wohnen.
Es ist gut, wenn wir Zeit finden zum Gebet, zur Besinnung und wenn uns klar wird, in welche großen Zusammenhänge unser Leben und unsere Welt gehören.
Ich schlage nun den Anfang des Johannes-Evangeliums auf. Hier wird ein weiter Bogen gespannt vom Anfang her, vom Ursprung des Lebens an, bis zu einem Ereignis, das wir nur bestaunen können:
(1) Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. (2) Dieses war im Anfang bei Gott. (3) Alles ist durch das Wort geworden …
(14) Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (15) Johannes der Täufer legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. (16) Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. (17) Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. (18) Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und an der Brust des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht. (vgl. Joh. 1,1-3a.14-18 EÜ)
Er hat Kunde gebracht, die immer noch und immer wieder verkündigt wird. Inzwischen weltweit.
Es ist doch so: Wir können den ganzen Zusammenhang dieser Welt gar nicht erfassen. Die Wissenschaften sind bemüht.
Es ist erstaunlich, was wir Menschen alles wissen, was uns Menschen inzwischen an Wissen zur Verfügung steht.
Feststeht: die Welt ist da und jeder sieht sie mit seinen Augen und macht sich sein Bild.
Feststeht auch: Jeder von uns ist auf die Welt gekommen, wir alle haben an einem bestimmten Tag im Jahr unseren Geburtstag und feiern dieses Ereignis.
Wo kommen wir her und wo gehen wir hin?
Doch darauf kann uns die Naturwissenschaft allerdings keine umfassende Antwort geben.
Aber die Bibel bringt uns Kunde.
Was sie verkündigt, möchte Glauben wecken und unseren Horizont weiten.
Wir brauchen nicht nur Wissen, wir brauchen auch einen fundierten Glauben.
Zum Ende des Johannes-Evangeliums hin steht am Ende von Kap. 20 diese Erklärung, weshalb Johannes sein Evangelium geschrieben hat: … damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. (Joh. 20,31)
Wie steht es um unseren Glauben?
Ich hörte dieser Tage den erstaunlichen Ausspruch eines britischen Schriftstellers (Julian Barnes), er begeht in wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag: Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.
Wie geht uns mit Gott, mit unserem Glauben, mit unseren Zweifeln, mit unserer Sehnsucht?
Feststeht, wie Johannes am Anfang seines Evangeliums schreibt: Niemand hat Gott jemals gesehen.
Wie viele leugnen daher die Existenz Gottes! Sie sehen ihn nicht, sie sehen ihn nicht am Werk.
Wir Menschen haben immer mehr Einblicke bekommen in das, was Generationen lang verborgen blieb. Inzwischen haben wir Einblicke in die Weite des Universums, Einblicke in den Aufbau eines Atoms; wir kennen den inneren Aufbau einer Körperzelle, wir sind der DNA des Menschen auf die Spur gekommen, und wir können so vieles aus dem Mikrobereich sichtbar machen.
Der Menschheit ist immer mehr ein Licht aufgegangen. Man spricht vom Zeitalter der Aufklärung.
Aber leider wurde auch mehr und mehr die Einsicht in Abrede gestellt oder vergessen, was Gott getan hat bzw. was er uns kundgetan hat. Das gilt als unwissenschaftlich.
Aber Gott hat kundgemacht, dass er von Anfang an da ist, und dass von Anfang an sein Wort da war, durch das alles geworden ist: der Kosmos, das Licht, das Leben, die Liebe, die Artenvielfalt, die Atome, die chem. Elemente und jede DNA.
Und dass es ein unvergleichliches Ereignis gibt, das nur bestaunt werden kann und immer wieder verkündigt werden darf:
Das Wort, das bei Gott war und Gott ist, wurde Fleisch und Blut und wohnte unter uns; er, der vorher schon war, der immer schon bei Gott war, kommt als ein Mensch in diese Welt.
Und jetzt ist er da! Er wird bezeugt, auch jetzt in dieser Predigt. Und es braucht Zeugen wie Johannes den Täufer. Er hat als erster auf das Kommen und die Bedeutung von Jesus Christus hingewiesen.
Wir brauchen nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Zeugen, die uns das Staunen lehren, die uns auf das Wunder der Menschenliebe Gottes aufmerksam machen.
Im Jahr 1731 - Lessing im nahen Kamenz war gerade mal zwei Jahre alt - da verfasst ein 34jähriger solche Worte des Staunens und der Dankbarkeit, Gerhard Tersteegen:
Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget! / Sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget! / Gott wird ein Kind, / träget und hebet die Sünd; / alles anbetet und schweiget.
Gott ist im Fleische: Wer kann dies Geheimnis verstehen? / Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen. / Gehet hinein, / eins mit dem Kinde zu sein, / die ihr zum Vater wollt gehen. (EG 41,3+4)
Uns darf warm ums Herz werden, wenn uns aufgeht, worauf wir nie alleine gekommen wären; aber Gott hat es so kommen lassen, er hat es uns kundgetan: Ich komme zu Euch.
Ja, Gott ist zu uns als Mensch gekommen, damit wir als Menschen zu Gott kommen können, zum Vater zurückkommen, hingezogen aus lauter Liebe, auch Gnade genannt.
Wir kommen zu Gott nicht durch die Forderung eines neuen Gesetzes, durch neue Auflagen und Anforderungen, sondern dank der Kunde von Jesus Christus: wahrer Mensch und wahrer Gott. Er ist der Überbringer der Gnade Gottes.
Gott kommt uns entgegen, und so wie er seinen Sohn an seine Brust drückt, so auch uns, wenn wir in seinem Namen zu Gott kommen.
Er macht uns nicht zu seinen Knechten sondern zu seinen Kindern, durch ihn, seinen eingeborenen Sohn, den einzigen und ewigen.
Mit ihm in Berührung zu kommen und in Beziehung zu treten, ist uns allen immer wieder, an jedem neuen Tag zu wünschen. Amen.
Lasst uns dankbar singen, einen Liedtext aus unserem Gesangbuch, der 5 Jahre später (nach G. Tersteegen) entstanden ist:
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
Hochgelobt sei der erbarmende Gott,
der uns den Ursprung des Segens gegeben;
dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod.
Selig, die ihm sich beständig ergeben!
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
(EG 66,7-8)
Fürbittengebet:
Meine Zeit steht in deine Händen. Das steht über diesem ganzen Jahr, über jedem Tag und über jeder Situation.
Wir sind DEIN, lieber Gott, liebender Gott, voll Gnade und Wahrheit.
Du schenkst uns die Gemeinschaft mit Jesus, deinem Sohn, und schließt uns in deine Arme, wenn wir zu dir kommen.
Unseren Weg gehen wir mit dir, Herr Jesus.
Wir bringen dir das, wovor wir uns fürchten.
Erfülle uns mit deinem Geist und mit neuem Vertrauen.
Wir danken dir für alle Führungen und alle Fügungen bisher auf unserem Weg,
Wir bringen dir unsere Familien, unsere Gemeinden, unsere Kirche, Deine Kirche.
Wir bringen dir unseren Zusammenhalt,
unser Land, unsere Regierung und unsere Welt.
Unsere Welt steht in deinen Händen.
Jesus, in deinem Namen beten wir miteinander:
Vater unser …




