Predigten zum Nachlesen
Gottesdienst mit Tagesgebet und Predigt
am ersten Sonntag im neuen Jahr und zweiten Sonntag nach Weihnachten
am 4. Januar 2026 in Höckendorf und Röhrsdorf b. Königsbrück
Gebet:
Jesus Christus, Mensch von Fleisch und Blut - und Gott.
Licht von ewigem Licht. Friede von ewigem Frieden. Liebe von ewiger Liebe, die sich an uns verschenkt: Lass uns auf dich sehen, damit wir wahres Leben finden, eins mit dir, eins mit den Menschen, eins mit uns selbst.
Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und Leben schenkst in Ewigkeit. Amen.
(Evang. Gottesdienstbuch, 2000, S. 269)
Liebe Gemeinde in diesem Gottesdienst!
Liebe Schwestern und Brüder!
Wieder liegt vor uns ein Jahr, 365 Tage.
Einen beträchtlichen Teil davon bringen wir zu mit Schlaf. Daran wird deutlich: Wir können auch nicht nur immer aktiv sein. Es braucht auch Ruhe. Besinnung.
Was steckt nicht alles drin in einem Jahr!
Mir geht es so, dass ich das vergangene Jahr als besonders ausgefüllt erlebt habe. Ich habe versucht, mir das auf einem Zettel mal vor Augen zu führen. Es wurden immer mehr Notizen auf der Vorder- und Rückseite dieses A5-Blattes.
Vom neuen Jahr haben wir bis jetzt erst drei ganze Tage erlebt. Das ist eine sehr überschaubare Zeit. Was haben wir in diesen drei Tagen schon erlebt?
Wie viel Zeit zur Besinnung hatten wir? Haben wir Zeit zum Gebet gefunden?
In der Silvesterpredigt habe ich von der Möglichkeit erzählt, jeden Tag einen Psalm zu lesen und zu beten.
Heute wäre es Psalm 4.
Ich habe schon mal in ihn hineingelesen:
Ein Psalm Davids ... (2) Wenn ich rufe, gib mir Antwort, Gott meiner Gerechtigkeit! Du hast mir weiten Raum geschaffen in meiner Bedrängnis. Sei mir gnädig und hör auf mein Flehen! ... (9) In Frieden leg ich mich nieder und schlafe; denn du allein, HERR, lässt mich sorglos wohnen.
Es ist gut, wenn wir Zeit finden zum Gebet, zur Besinnung und wenn uns klar wird, in welche großen Zusammenhänge unser Leben und unsere Welt gehören.
Ich schlage nun den Anfang des Johannes-Evangeliums auf. Hier wird ein weiter Bogen gespannt vom Anfang her, vom Ursprung des Lebens an, bis zu einem Ereignis, das wir nur bestaunen können:
(1) Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. (2) Dieses war im Anfang bei Gott. (3) Alles ist durch das Wort geworden …
(14) Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (15) Johannes der Täufer legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. (16) Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. (17) Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. (18) Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und an der Brust des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht. (vgl. Joh. 1,1-3a.14-18 EÜ)
Er hat Kunde gebracht, die immer noch und immer wieder verkündigt wird. Inzwischen weltweit.
Es ist doch so: Wir können den ganzen Zusammenhang dieser Welt gar nicht erfassen. Die Wissenschaften sind bemüht.
Es ist erstaunlich, was wir Menschen alles wissen, was uns Menschen inzwischen an Wissen zur Verfügung steht.
Feststeht: die Welt ist da und jeder sieht sie mit seinen Augen und macht sich sein Bild.
Feststeht auch: Jeder von uns ist auf die Welt gekommen, wir alle haben an einem bestimmten Tag im Jahr unseren Geburtstag und feiern dieses Ereignis.
Wo kommen wir her und wo gehen wir hin?
Doch darauf kann uns die Naturwissenschaft allerdings keine umfassende Antwort geben.
Aber die Bibel bringt uns Kunde.
Was sie verkündigt, möchte Glauben wecken und unseren Horizont weiten.
Wir brauchen nicht nur Wissen, wir brauchen auch einen fundierten Glauben.
Zum Ende des Johannes-Evangeliums hin steht am Ende von Kap. 20 diese Erklärung, weshalb Johannes sein Evangelium geschrieben hat: … damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen. (Joh. 20,31)
Wie steht es um unseren Glauben?
Ich hörte dieser Tage den erstaunlichen Ausspruch eines britischen Schriftstellers (Julian Barnes), er begeht in wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag: Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn.
Wie geht uns mit Gott, mit unserem Glauben, mit unseren Zweifeln, mit unserer Sehnsucht?
Feststeht, wie Johannes am Anfang seines Evangeliums schreibt: Niemand hat Gott jemals gesehen.
Wie viele leugnen daher die Existenz Gottes! Sie sehen ihn nicht, sie sehen ihn nicht am Werk.
Wir Menschen haben immer mehr Einblicke bekommen in das, was Generationen lang verborgen blieb. Inzwischen haben wir Einblicke in die Weite des Universums, Einblicke in den Aufbau eines Atoms; wir kennen den inneren Aufbau einer Körperzelle, wir sind der DNA des Menschen auf die Spur gekommen, und wir können so vieles aus dem Mikrobereich sichtbar machen.
Der Menschheit ist immer mehr ein Licht aufgegangen. Man spricht vom Zeitalter der Aufklärung.
Aber leider wurde auch mehr und mehr die Einsicht in Abrede gestellt oder vergessen, was Gott getan hat bzw. was er uns kundgetan hat. Das gilt als unwissenschaftlich.
Aber Gott hat kundgemacht, dass er von Anfang an da ist, und dass von Anfang an sein Wort da war, durch das alles geworden ist: der Kosmos, das Licht, das Leben, die Liebe, die Artenvielfalt, die Atome, die chem. Elemente und jede DNA.
Und dass es ein unvergleichliches Ereignis gibt, das nur bestaunt werden kann und immer wieder verkündigt werden darf:
Das Wort, das bei Gott war und Gott ist, wurde Fleisch und Blut und wohnte unter uns; er, der vorher schon war, der immer schon bei Gott war, kommt als ein Mensch in diese Welt.
Und jetzt ist er da! Er wird bezeugt, auch jetzt in dieser Predigt. Und es braucht Zeugen wie Johannes den Täufer. Er hat als erster auf das Kommen und die Bedeutung von Jesus Christus hingewiesen.
Wir brauchen nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Zeugen, die uns das Staunen lehren, die uns auf das Wunder der Menschenliebe Gottes aufmerksam machen.
Im Jahr 1731 - Lessing im nahen Kamenz war gerade mal zwei Jahre alt - da verfasst ein 34jähriger solche Worte des Staunens und der Dankbarkeit, Gerhard Tersteegen:
Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget! / Sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget! / Gott wird ein Kind, / träget und hebet die Sünd; / alles anbetet und schweiget.
Gott ist im Fleische: Wer kann dies Geheimnis verstehen? / Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen. / Gehet hinein, / eins mit dem Kinde zu sein, / die ihr zum Vater wollt gehen. (EG 41,3+4)
Uns darf warm ums Herz werden, wenn uns aufgeht, worauf wir nie alleine gekommen wären; aber Gott hat es so kommen lassen, er hat es uns kundgetan: Ich komme zu Euch.
Ja, Gott ist zu uns als Mensch gekommen, damit wir als Menschen zu Gott kommen können, zum Vater zurückkommen, hingezogen aus lauter Liebe, auch Gnade genannt.
Wir kommen zu Gott nicht durch die Forderung eines neuen Gesetzes, durch neue Auflagen und Anforderungen, sondern dank der Kunde von Jesus Christus: wahrer Mensch und wahrer Gott. Er ist der Überbringer der Gnade Gottes.
Gott kommt uns entgegen, und so wie er seinen Sohn an seine Brust drückt, so auch uns, wenn wir in seinem Namen zu Gott kommen.
Er macht uns nicht zu seinen Knechten sondern zu seinen Kindern, durch ihn, seinen eingeborenen Sohn, den einzigen und ewigen.
Mit ihm in Berührung zu kommen und in Beziehung zu treten, ist uns allen immer wieder, an jedem neuen Tag zu wünschen. Amen.
Lasst uns dankbar singen, einen Liedtext aus unserem Gesangbuch, der 5 Jahre später (nach G. Tersteegen) entstanden ist:
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
Hochgelobt sei der erbarmende Gott,
der uns den Ursprung des Segens gegeben;
dieser verschlinget Fluch, Jammer und Tod.
Selig, die ihm sich beständig ergeben!
Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben.
(EG 66,7-8)
Fürbittengebet:
Meine Zeit steht in deine Händen. Das steht über diesem ganzen Jahr, über jedem Tag und über jeder Situation.
Wir sind DEIN, lieber Gott, liebender Gott, voll Gnade und Wahrheit.
Du schenkst uns die Gemeinschaft mit Jesus, deinem Sohn, und schließt uns in deine Arme, wenn wir zu dir kommen.
Unseren Weg gehen wir mit dir, Herr Jesus.
Wir bringen dir das, wovor wir uns fürchten.
Erfülle uns mit deinem Geist und mit neuem Vertrauen.
Wir danken dir für alle Führungen und alle Fügungen bisher auf unserem Weg,
Wir bringen dir unsere Familien, unsere Gemeinden, unsere Kirche, Deine Kirche.
Wir bringen dir unseren Zusammenhalt,
unser Land, unsere Regierung und unsere Welt.
Unsere Welt steht in deinen Händen.
Jesus, in deinem Namen beten wir miteinander:
Vater unser …




